Mediation bei Scheidung

Haben Sie die Scheidung und Aufhebung Ihrer eingetragenen Lebenspartnerschaft vor Augen, kann die Mediation das Werkzeug sein, mit dem Sie neue Wege beschreiten. Mediation kann zwei Wege öffnen: Vielleicht kommen Sie zu der Erkenntnis, dass Sie Ihre Partnerschaft fortsetzen wollen oder Sie werden sich klar, dass nur die Scheidung neue Perspektiven bietet. Auf jeden Fall kann die Mediation der Schlüssel sein, neu zu starten.

Das Wichtigste zum Thema „Mediation bei Scheidung“ für Sie:

  • Im Streit gibt ein Wort das andere. Lösungen bleiben oft verschlossen. Handelt eine neutrale Person als Vermittler, lassen sich oft Lösungen finden, die im Streit verschlossen bleiben.
  • Mediation ist ein Weg der Konfliktlösung, bei der ein Mediator Wege zur Lösung aufzeigt.
  • Ihr Anwalt, den Sie mit der Aufhebung Ihrer Lebenspartnerschaft beantragen, ist Ihr Interessenvertreter. Er kann nicht Mediator sein. Wird er als Mediator beauftragt, kann er nicht einseitig Ihre Interessen vertreten.
  • Mediation läuft nach bestimmten Verfahrensgrundsätzen ab. Die Teilnahme ist freiwillig und kann jederzeit beendet werden.
  • Im Idealfall mündet die Mediation in eine Abschlussvereinbarung, in der Sie Ihre mit der Aufhebung der Lebenspartnerschaft verbundenen Folgen einvernehmlich regeln.
  • Möchten Sie die Abschlussvereinbarung als Scheidungsfolgenvereinbarung verstehen, müssen Sie die Vereinbarung notariell beurkunden oder gerichtlich protokollieren lassen.
  • Wurden Sie vom Gericht zur Teilnahme an der Mediation verpflichtet, benennt das Gericht geeignete Mediatoren. Gegebenenfalls unterbreiten Sie eigene Vorschläge.
  • Mediatoren rechnen ihre Dienstleistung nach Stundensätzen ab. Rechnen Sie mit mindestens ca. 50 €.

Warum sollte Mediation für mich ein Thema sein?

Durch Mediation soll einem streitigen Scheidungsverfahren vorgebeugt werden, so dass viel Zeit und Geld gespart werden kann.

Durch Mediation soll einem streitigen Scheidungsverfahren vorgebeugt werden, so dass viel Zeit und Geld gespart werden kann.

Trennen sich Paare, trennen sie sich oft im Streit. Dabei könnte das Leben so einfach sein. Oft geht es nur darum, dass unausgesprochene Emotionen und Worte den Blick dafür verstellen, dass Ihre Beziehung gescheitert ist und Sie irgendwie die Scherben zusammenkehren müssen. Es ist ein alter Erfahrungssatz, dass man in eigenen Angelegenheiten ein schlechter Berater ist. Um aus diesem Dilemma herauszufinden, drängt es sich geradezu auf, eine neutrale dritte Person als Vermittler einzubeziehen. Dieser Dritte ist in Ehe- und Lebenspartnerschaftssachen der sogenannte Mediator. All das, was Sie nicht sagen können oder sagen wollen, weil Sie es nicht schaffen, innere Hürden zu überwinden, kann ein Mediator offenlegen. Er kann Ihre Worte und Gefühle vielleicht so übersetzen, dass auch Ihr Partner sie versteht und akzeptiert. Letztlich geht es darum, die Gegebenheiten so zu analysieren, dass Sie gemeinsam eine Basis finden, Ihre Partnerschaft einvernehmlich zu beenden. Mediation ist dafür das Werkzeug, das Ihnen diese Chancen bietet. (Hinweis: Die Bezeichnung „Mediator“ ist geschlechtsneutral zu verstehen).

Was genau ist Mediation?

Mediation ist keine Eheberatung. Es geht nicht darum, die Gründe für Ihre Trennung zu analysieren. Vielmehr soll Ihnen den Mediator helfen, Lösungen dafür zu finden, dass Sie auseinandergehen wollen. Es ist nicht Aufgabe des Mediators, Ihre Entscheidung als richtig oder falsch zu bewerten. Es geht vielmehr darum, Regelungen zu finden, die Sie beide als fair und vertretbar akzeptieren und Ihre möglichst einvernehmliche Trennung ermöglichen.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Hermann Hesse
 

Gemäß § 1 Mediationsgesetz handelt sich bei der Mediation um ein „vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem die Parteien eine einvernehmliche Konfliktlösung mithilfe eines Mediators freiwillig und eigenverantwortlich erstreben“. Das Familienrecht greift diesen Aspekt auf. Das Familiengericht kann in Scheidungsfolgesachen anordnen, dass Sie allein oder gemeinsam mit Ihrem Partner an einem kostenfreien Informationsgespräch über Mediation teilnehmen und hierüber eine Bestätigung vorlegen (§ 135 FamFG). Das Familiengericht kann auch in Kindschaftssachen eine Mediation anordnen, wenn es darum geht, die elterliche Sorge, den Aufenthalt des Kindes, das Umgangsrecht oder die Herausgabe des Kindes zu regeln (§ 156 FamFG).

Kann mein Anwalt auch Mediator sein?

Der Mediator ist somit der Steuermann, der versucht, eine für beide Parteien tragfähige Lösung mit den beiden Partnern zu erarbeiten.

Der Mediator ist somit der Steuermann, der versucht, eine für beide Parteien tragfähige Lösung mit den beiden Partnern zu erarbeiten.

Beauftragen Sie einen Rechtsanwalt, die Aufhebung Ihrer Lebenspartnerschaft beim Familiengericht zu beantragen, handelt der Anwalt in Ihrem Interesse. Er ist Ihr persönlicher Vertreter und nimmt Ihre Interessen wahr. Er darf die Interessen Ihres Lebenspartners nur insoweit berücksichtigen, als es darum geht, Ihre Scheidung voranzubringen und ins Ziel zu führen. Er darf aber nicht die Interessen Ihres Lebenspartners vertreten. Ihr Anwalt ist also ein einseitiger Interessenvertreter. Insoweit können Rechtsanwälte nicht als neutrale Dritte in Erscheinung treten und können auch insoweit nicht Mediator sein. Im Familienrecht weisen sich einige Rechtsanwälte natürlich auch als Mediator aus. In diesem Fall dürfen sie aber nicht als Interessenvertreter auftreten und dürfen Sie nicht als Rechtsanwalt bei Ihrer Scheidung vertreten. Dieser Rechtsanwalt ist dann eben nur Mediator und nichts anderes.

Nach welchen Grundsätzen läuft eine Mediation ab?

  • Mediatoren sind unabhängige und neutrale Personen. Sie haben keine Entscheidungsbefugnisse in der Sache. Sie zeigen den Parteien lediglich Wege auf, zu Lösungsansätzen zu gelangen und Entscheidungen herbeizuführen.
  • Das Familiengericht kann anordnen, dass Sie an einem Informationsgespräch über Mediation wegen der außergerichtlichen Konfliktbeilegung bei Gericht anhängiger Folgesachen bei teilnehmen. Das Gericht wird Ihnen dazu eine geeignete Stelle benennen. Es ist aber auch offen für Ihre eigenen Vorschläge.
  • Der Mediator fördert Ihre Kommunikation. Er ist neutral. Er achtet darauf, dass Sie beide in angemessener und fairer Weise in das Gespräch eingebunden werden und nicht eine Partei den Gesprächsablauf dominiert.
  • Sie können die Mediation jederzeit beenden.
  • Auch der Mediator kann die Mediation jederzeit beenden, wenn er den Eindruck hat, dass jegliche Einigung ausgeschlossen ist.
  • Idealerweise versucht der Mediator darauf hinzuwirken, dass Sie sich wegen der Folgesachen, die im Hinblick auf Ihre Trennung und Aufhebung Ihrer Lebenspartnerschaft zur Regelung anstehen, verständigen.

Welches Ziel sollte die Mediation haben?

Durch die Scheidungsmediation konnte auch die Atmosphäre zwischen den Partnern wieder auf ein Niveau gehoben werden, das erlaubte, Lösungen zu finden.

Durch die Scheidungsmediation konnte auch die Atmosphäre zwischen den Partnern wieder auf ein Niveau gehoben werden, das erlaubte, Lösungen zu finden.

Idealerweise wird der Mediator Ihre Einigung in einer Abschlussvereinbarung dokumentieren. Im besten Fall lässt sich diese Einigung als Scheidungsfolgenvereinbarung in Ihr Scheidungsverfahren einführen. Ihre Einigung ist die Grundlage für eine möglichst einvernehmliche Scheidung bzw. Aufhebung Ihrer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Mit einer einvernehmlichen Scheidung ersparen Sie sich eine aller Wahrscheinlichkeit nach kostenträchtige und zeitintensive gerichtliche Auseinandersetzung, in der Sie die Folgen Ihrer Scheidung klären müssten. Haben Sie Ihre Scheidungsfolgen in einer Scheidungsfolgenvereinbarung geregelt, genügt es, dass ein Lebenspartner allein den Aufhebungsantrag beim Familiengericht einreicht. Um den Scheidungsantrag möglichst schnell bei Gericht einzureichen, können Sie auch die Vorteile einer Online-Scheidung nutzen.

Ihr Partner stimmt Ihrem Scheidungsantrag dann nur noch zu. Dann kann das Familiengericht relativ zügig Scheidungstermin bestimmen und die Aufhebung Ihrer Lebenspartnerschaft beschließen. Alles andere, was Sie für regelungsbedürftig halten, sollte in Ihrer Scheidungsfolgenvereinbarung geregelt sein. Sie müssen berücksichtigen, dass für jede Scheidungsfolge, die Sie gerichtlich klären lassen möchten, Gerichts- und Rechtsanwaltsgebühren anfallen, die zwangsläufig den Kostenaufwand in die Höhe treiben. Vor allem verzögern Sie damit das Verfahren, weil ein Wort das andere gibt und erfahrungsgemäß mit jedem Schriftsatz eine einvernehmliche Regelung unwahrscheinlicher wird.

Wie wird die Scheidungs­folgen­vereinbarung fixiert?

Ihre Scheidungsfolgenvereinbarung bedarf der notariellen Beurkundung. Alternativ können Sie eine solche Scheidungsfolgenvereinbarung im mündlichen Verhandlungstermin vor dem Familiengericht protokollieren lassen. Nur so ist Ihre Vereinbarung rechtlich für beide Parteien verbindlich und damit vollstreckbar.

Wo finde ich den geeigneten Mediator?

Mediator ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Wer Mediator sein will, muss in eigener Verantwortung und durch eine geeignete Ausbildung und regelmäßige Fortbildung gewährleisten, dass er/sie über theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen verfügt, um Sie sachkundig durch das Verfahren zu führen (§ 5 MediationsG). Da es darum geht, die Beendigung der Folgen Ihrer Lebenspartnerschaft zu regeln, sollte der Mediator möglichst Rechtsanwalt sein. Nur ein Rechtsanwalt dürfte zuverlässig in der Lage sein, die damit verbundenen rechtlichen und praktischen Aspekte nachzuvollziehen und in Lösungsansätze einzubinden. Es versteht sich, dass ein erfolgreicher Mediator auch über sachkundige Verhandlungs- und Kommunikationstechniken verfügt, eine hohe Konfliktkompetenz besitzt und über die Grundlagen der Mediation sowie deren Ablauf geschult ist. Wir unterstützen Sie gerne, den geeigneten Mediator zu finden. Auf Wunsch verweisen wir Sie an einen unserer Kooperationspartner.

Was kostet eine Mediation?

Mediatoren sind Dienstleister. Sie berechnen meist Stundenhonorare. Die Bandbreite der Honorare ist hoch. Rechnen Sie in normal gelagerten Fällen mit einem Stundensatz von ca. 50 €. Bei komplexeren Sachverhalten, die eine besondere Kompetenz und Empathie des Mediators erfordern, sollten Sie auch höhere Stundensätze einkalkulieren. Wenn Sie den Kostenaufwand für die Mediation ins Verhältnis zu dem Kostenaufwand setzen, den Sie im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung betreiben müssten, fahren Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit finanziell wesentlich günstiger.

Sind Sie rechtsschutzversichert, sollten Sie die AGB Ihrer Versicherungspolice lesen. Teils erachten die Versicherer die einvernehmliche Konfliktlösung im eigenen Interesse als förderungswürdig und übernehmen die Kosten für einen Mediator. Sie finden einen tabellarischen Überblick unter: Mediation und Rechtsschutz

Fazit

Idealerweise verstehen Sie Mediation als Chance. Es ist naturgemäß schwierig, sich auf eine Mediation einzulassen, da Sie in diesem Fall bereit sein müssen, Ihre Interessen offenzulegen und zu vertreten. Diese Schwierigkeit entschärft sich aber dadurch, dass nicht Ihr Lebenspartner, sondern der Mediator Ihr Ansprechpartner ist. Der Mediator ist Ihr Sprachrohr, durch den Sie mit Ihrem Lebenspartner sprechen. Gerade dann, wenn eine neutrale Person als Übersetzer in der Mitte steht, lassen sich oft erstaunliche Lösungen finden, die Ihnen selbst verschlossen bleiben.

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