Besondere Situation: Regenbogenfamilien

Menschliches Leben ist wie ein Regenbogen. Es ist bunt. Gerade Regenbogenfamilien haben sehr unterschiedliche Erscheinungsformen. Leben Sie in einer Regenbogenfamilie, stehen Sie wahrscheinlich vor einer Reihe unterschiedlichster Herausforderungen. Es stellen sich Fragen rechtlicher, sachlicher und emotionaler Art. Wir greifen einige davon heraus. Meist geht es darum, wie Sie und Ihr Partner-/in damit umgehen, dass ein Kind Teil Ihrer Partnerschaft ist.

Das Wichtigste

  • Beruht die Gründung Ihrer Regenbogenfamilie auf einem „Coming-out“, stehen Sie vor der Aufgabe, wie Sie Ihr soziales Umfeld einbeziehen und vornehmlich Ihr leibliches Kind aus einer früheren heterosexuellen Beziehung integrieren.
  • Vornehmlich Kinder stehen vor enormen Herausforderungen. Jetzt kommt es darauf an, dem Kind verständlich zu machen, dass sein anderer leiblicher Elternteil sein Elternteil bleibt und der neue Stiefelternteil den Elternteil nicht ersetzt, sondern als Helfer in allen Lebenslagen beiseite steht.
  • Ihr Lebenspartner hat gegenüber Ihrem Kind eine Mitentscheidungsrecht, wenn es um alltägliche Angelegenheiten des Kindes geht, darf jedoch in grundsätzlichen Angelegenheiten nicht ohne Ihre Zustimmung handeln.
  • Möchten Sie, dass Ihr leibliches Kind voll in Ihre neue Familie integriert wird, sollte Ihr Lebenspartner-/in die Adoption ins Auge fassen und das Stiefkind auch rechtlich zum eigenen Kind machen.

„Comingout“ als Gründungsmotiv für eine Regenbogenfamilie

Ihr Weg zur Regenbogenfamilie - lassen Sie sich von anfänglichen Hindernissen nicht aufhalten.

Ihr Weg zur Regenbogenfamilie - lassen Sie sich von anfänglichen Hindernissen nicht aufhalten.

Als Regenbogenfamilie mit einem Kind aus einer früheren Beziehung sind Sie auch eine Patchworkfamilie. Für Ihr Kind geht es dann vornehmlich auch darum, den Verlust eines Elternteils zu bewältigen. Für Sie geht es darum, Ihr „Coming-out“ und die Orientierung zu einem/r gleichgeschlechtlichen Partner-/in so zu kommunizieren, dass Ihr Kind, aber auch Ihr soziales Umfeld Ihren Weg verstehen. Möchten Sie weiterhin in Kontakt mit Ihren Familien und Ihrem bisherigen heterosexuellen Freundeskreis bleiben, müssen Sie sich diesem Coming-out Prozess sicherlich stellen.

Dabei sollten Sie berücksichtigen, dass Sie in der Art und Weise, wie Sie Ihre sexuelle Orientierung kommunizieren, auch die Einschätzung Ihres Kindes einbeziehen sollten. Dabei kann es nur darum gehen, dass Ihr Kind die Einschätzung hat, dass seine Eltern seine Eltern bleiben und das traditionelle Familienbild nicht jede familiäre Lebensform repräsentiert. Insoweit erscheint es wichtig,

  • dass Ihr Kind über seine Ursprungsfamilie genauso sprechen kann wie über die Regenbogenfamilie, in der es nach Ihrem Coming-out leben soll,
  • dass Ihr Kind den Kontakt zu seinem anderen Elternteil genauso fortführen darf, wie es bislang gewohnt war und es nicht darum geht, den Kontakt abzubrechen,
  • dass Sie Ihrem Kind das Gefühl gegeben, dass es nicht in Ihre neue Familie hinein genötigt wird. Vielmehr sollten Sie dem Kind die Option bieten, nach seiner eigenen Vorstellung die Beziehung zu seinem neuen Stiefelternteil aufbauen zu dürfen,
  • dass Ihr neuer Partner oder Ihre neue Partnerin klarstellt, dass er oder sie sich nicht als Elternteil versteht, sondern eher als Freund oder Freundin daherkommt und dem Kind in allen Lebenslagen als Ansprechpartner zur Verfügung steht.

Wie gestalte ich den Lebensalltag mit Kind in der Partnerschaft?

Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit und nehmen Sie Rücksicht auf seine besondere Situation.

Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit und nehmen Sie Rücksicht auf seine besondere Situation.

Wächst ein Kind als Stiefkind auf, dürfte die Situation noch schwieriger sein, wenn das Kind plötzlich zwei Mütter oder zwei Väter hat und der andere leibliche Elternteil in den Hintergrund tritt. Jetzt sollten Sie eine klare Position einnehmen. Probleme runterschlucken oder ignorieren führt zum Kontrollverlust. Besser ist, Sie greifen Vorbehalte und emotionale Ausbrüche diplomatisch auf und versuchen möglichst auf einer sachlichen Ebene zu klären, wo das Problem liegt.

Es dürfte kaum gelingen, es allen irgendwie recht zu machen. Früher oder später explodiert die angespannte Situation. Versuchen Sie nicht, zu schnell zu viel erreichen zu wollen. Genau das ist der Grund, weshalb Patchworkfamilien oft auseinanderbrechen. Ziel muss sein, dass in der neuen Gemeinschaft jeder Beteiligte seine Rolle findet und jeder dem anderen die dafür nötige Zeit zugesteht.

Vermeiden Sie, dass sich Ihr Kind bevormundet und ausgeliefert fühlt. Akzeptieren Sie, dass ein Kind eine enorme Anpassungsleistung erbringen muss und alles, was bisher sein Leben geprägt hat, sich verändert. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass Sie aus Ihrer früheren Beziehung ausgebrochen sind, zum anderen auch damit, dass das Kind jetzt in Ihrer Regenbogenfamilie leben soll. Auch wenn es noch so schwer fällt, sollten Konflikte konstruktiv ausgetragen werden. Dabei darf kein Beteiligter die Perspektiven des anderen aus dem Blick verlieren. Beziehungen sind ein ständiger Austausch von Gefühlen, Vorbehalten, Wünschen, Ängsten und Perspektiven. Wer redet, äußert sich auch über das, was in ihm gerade vorgeht. Wer schweigt, gibt dem anderen nicht die Möglichkeit, zu reagieren.

Ein Weg, Ihr Kind in Ihre neue Familie zu integrieren, kann darin bestehen, dass Sie gemeinsame Erlebnisse schaffen. Gemeinsam etwas zu erleben schweißt zusammen. Dies kann eine Urlaubsreise sein, aber auch der gemeinsame Besuch eines Fußballspiels. Ziel dabei ist, dass das Kind den neuen Partner-/in als Kamerad, als Freund und Beistand in allen Lebenslagen empfindet und akzeptiert, dass dieser Partner Teil seiner neuen Familie ist.

Welche Rechtsstellung hat mein Partner gegenüber meinem Kind?

In einer Regenbogenfamilie gibt es wie in jeder Patchworkfamilie viel zu koordinieren.

In einer Regenbogenfamilie gibt es wie in jeder Patchworkfamilie viel zu koordinieren.

Sie integrieren Ihr leibliches Kind in Ihre Regenbogenfamilie leichter, wenn Sie wissen, welche Rechte Sie als Elternteil im Verhältnis zu Ihrem Lebenspartner haben und welche Rechte Ihr Lebenspartner gegenüber Ihrem Kind hat.

Ihre Partnerschaft begründet kein Verwandtschaftsverhältnis zum Kind

Bringen Sie aus einer früheren Beziehung Ihr leibliches Kind in die Partnerschaft ein, ist Ihr Lebenspartner-/in mit dem Kind nicht verwandt. Die Begründung Ihrer Lebenspartnerschaft begründet kein Verwandtschaftsverhältnis, es sei denn, der Partner-/in adoptiert das Kind.

Das elterliche Sorgerecht geht nicht auf den Lebenspartner über

Um das Zusammenleben in Ihrem gemeinsamen Haushalt zu handhaben, muss Ihr Partner aber die Möglichkeit haben, auch für das Kind Entscheidungen zu treffen. Das Sorgerecht für das Kind steht nach wie vor Ihnen zu, nicht aber dem Lebenspartner. Besteht das Sorgerecht des anderen leiblichen Elternteils noch fort, müssen Sie in grundlegenden Angelegenheiten des Kindes auch dessen Zustimmung einholen.

Ihr Lebenspartner hat lediglich ein „Mitentscheidungsrecht“

Soweit es aber um Angelegenheiten des täglichen Lebens geht, darf Ihr neuer Lebenspartner mitentscheiden. Er / Sie muss seine Entscheidung danach ausrichten, wie Sie aller Wahrscheinlichkeit nach in einer bestimmten Situation handeln und entscheiden würden. Er hat eine Art „Mitentscheidungsrecht“ für Ihr Kind (§ 9 Abs. I LPartG). Dabei handelt sich nicht um ein echtes Sorgerecht, sondern um das Recht, das Kind im Lebensalltag zu betreuen und anzuleiten. Es ergibt sich zwangsläufig daraus, dass das Kind in Ihrem Haushalt lebt und an Ihrer beider Leben teilhat. Dieses Mitentscheidungsrecht besteht allerdings nicht mehr, wenn Sie sich nicht nur vorübergehend von Ihrem Lebenspartner getrennt haben (§ 9 Abs. IV LPartG).

Ihr Lebenspartner hat aber kein Recht, in Grundsatzangelegenheiten des Kindes Entscheidungen zu treffen. Dieses Entscheidungsrecht steht Ihnen alleine und bei gemeinsamer Sorge auch dem anderen leiblichen Elternteil des Kindes zu.

Geht es darum, in Zeitnoteine Entscheidung zu treffen („Gefahr in Verzug“), darf der Lebenspartner alles tun, was zum Wohl des Kindes notwendig ist. Er muss Sie allerdings unverzüglich unterrichten (§ 9 Abs. II LPartG).

  • Geht es darum, ob das Kind für das Fußballtraining ein neues Trikot bekommt, kann auch Ihr Lebenspartner die betreffende Entscheidung treffen. Es dürfte sich insoweit um eine alltägliche Angelegenheit handeln. Er braucht Sie nicht zu fragen. Ungeachtet dessen können Sie natürlich auch anderer Meinung sein und als sorgeberechtigter Elternteil Ihre Auffassung auch durchsetzen.
  • Geht es aber darum, ob das Kind überhaupt Mitglied in einem Fußballverein wird, dürfte es sich bereits um eine grundsätzliche Angelegenheit handeln, die der Lebenspartner nicht alleine entscheiden kann.
  • Steht die Entscheidung an, ob das Kind mit dem Vereinsbus zu einem Bundesligaspiel fahren darf und muss die Entscheidung wegen des letzten zur Verfügung stehenden Platzes sofort getroffen werden, darf Ihr Lebenspartner angesichts der Zeitnot allein entscheiden und die Fahrt erlauben.

Gut zu wissen:

Möchten Sie vermeiden, dass Ihr Lebenspartner unsachgemäße Entscheidungen für Ihr leibliches Kind trifft, könnten Sie gegebenenfalls beim Familiengericht beantragen, dass dessen Mitentscheidungsrecht eingeschränkt oder ausgeschlossen wird (§ 9 LPartG). Maßgebliches Entscheidungskriterium ist das Wohl des Kindes. Nur wenn das Kindeswohl gefährdet erscheint, lässt sich dieses Ziel erreichen. Ob Sie damit Ihrer Partnerschaft wirklich einen Gefallen tun, müssen Sie selbst wissen.

Der richtige Familienname für Ihr Kind

Sie können gegenüber dem Standesamt erklären, dass Ihr Kind Ihren Lebenspartnerschaftsnamen führt, sofern Sie das alleinige Sorgerecht für Ihr minderjähriges Kind haben und das Kind in Ihrem Haushalt lebt. Sie benötigen dafür lediglich die Zustimmung Ihres eingetragenen Lebenspartners.

Sofern das gemeinsame Sorgerecht des anderen leiblichen Elternteils besteht, muss dieser Elternteil der Gestaltung des neuen Familiennamens des Kindes zustimmen. Sofern das Kind das fünfte Lebensjahr vollendet hat, muss es gleichfalls seine Zustimmung erklären. Im Ausnahmefall kann das Familiengericht die Einwilligung des anderen leiblichen Elternteils notfalls ersetzen. Das Kind wird dann „einbenannt“. Eine solche namentliche Einbenennung kommt vornehmlich dann in Betracht, wenn in Ihrer Regenbogenfamilie ein oder mehrere weitere Kinder leben und es darum geht, dass alle Kinder den gleichen Familiennamen tragen und kein Kind sich allein wegen seines Familiennamens ausgegrenzt fühlt.

Gut zu wissen:

Sie können den bisherigen Familiennamen Ihres Kindes mit Ihrem Lebenspartnerschaftsnamen auch kombinieren. Heißt Ihr Kind Becker und führen Sie den Lebenspartnerschaftsnamen Müller, kann Ihr Kind den Namen Becker-Müller oder Müller-Becker führen.

Mit der Stiefkindadoption wird Ihr Stiefkind auch Ihr Kind

Mit einer Adoption wird Ihr Stiefkind auch rechtlich Ihr Kind.

Mit einer Adoption wird Ihr Stiefkind auch rechtlich Ihr Kind.

Bringen Sie oder Ihr Partner ein leibliches Kind in die Partnerschaft mit ein, kann der jeweils andere Partner das Stiefkind adoptieren und damit zu seinem eigenen Kind machen. Das Kind wird Ihr gemeinsames Kind. Dazu muss der andere leibliche Elternteil seine Zustimmung geben. Als Adoptivelternteil ist der Partner dem leiblichen Elternteil gleichgestellt. Das Kind hat die gleichen Rechte wie ein eheliches Kind. Erklärt der andere leibliche Elternteil seine Zustimmung zur Adoption, werden die rechtlichen Verbindungen zwischen dem Adoptivkind und dem anderen, dann nicht mehr sorgeberechtigten leiblichen Elternteil sowie dessen Verwandten vollständig aufgelöst. Die Auflösung ist rechtlich zu verstehen. Menschliche und emotionale Verbindungen lassen sich dadurch allein nicht auflösen.

Gut zu wissen:

Möchten Sie Ihr Stiefkind adoptieren, müssen Sie beim Notar eine Urkunde aufsetzen, in der Sie beim Vormundschaftsgericht beantragen, das Kind Ihres Lebenspartners adoptieren zu wollen. Im Auftrag des Vormundschaftsgerichts wird das Jugendamt ein Gutachten erstellen und Ihre partnerschaftlichen Verhältnisse prüfen, ob Sie in der Lage sind, die Verantwortung für das Kind zu übernehmen. Im Regelfall müssen Sie mindestens zwei Jahre in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gelebt haben. Die Zeit, die Sie vorher ohne Eintragung zusammengelebt haben, wird dafür nicht angerechnet.

Fazit

Regenbogenfamilien sind zumindest noch keine familiären Standards. Da es auch hier um zwischenmenschliche Beziehungen geht, kann es keine pauschalen Empfehlungen geben. Allein die individuellen Gegebenheiten bestimmen, welche Wege Sie gehen können und welche Mittel Ihnen zur Verfügung stehen, um Ihrer Familie eine Perspektive zu geben.

Autor:  Heinrich von Südhoff

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