Kinderwunsch und Eltern werden bei gleichgeschlechtlichen Paaren

Familien können ganz unterschiedlich strukturiert sein. Es gibt viele Konstellationen, die über Vater-Mutter-Kind hinausgehen, in Patchwork- und Regenbogenfamilien kommen ganz neue Familien zustande. Gleichgeschlechtlichen Paaren waren die Ehe und eine rechtlich anerkannte Familie lange Zeit verwehrt. Auch die Möglichkeit zur Eingehung der Lebenspartnerschaft war keine vollwertige Gleichstellung. Erst seit der Ehe für alle im Jahr 2017 steht die zivilrechtliche Eheschließung und die damit verknüpften Rechte Paaren jeglichen Geschlechts offen. Wie steht es um die rechtliche Elternstellung gleichgeschlechtlicher Paarebei Kinderwunsch?

Das Wichtigste

  • Viele gleichgeschlechtliche Paare träumen vom Familienglück mit Kindern oder möchten, dass die neue Partnerin bzw. der neue Partner auch rechtlich Elternteil des Kindes aus der vorigen Beziehung wird.
  • Die rechtlichen Eltern haben einige Rechte und Pflichten, wie das Sorge- und Umgangsrecht, sowie die Unterhaltspflicht. Auch erbrechtlich wirkt sich die rechtliche Stellung aus.
  • Gleichgeschlechtliche Paare müssen oft einen Umweg über die Stiefkindadoption gehen, damit beide Partnerinnen bzw. Partner rechtliche Elternteile sein können.
  • Die Stiefkindadoption ist sowohl für Ehepaare, eingetragene Lebenspartnerschaften als auch für unverheiratete Paare möglich.
  • Bei Regenbogenfamilien sind viele verschiedene Konstellationen denkbar. Lassen Sie sich über die Möglichkeiten in Ihrer persönlichen Situation beraten.

Kinderwunsch bei gleichgeschlechtlichen Paaren

Viele Paare sehnen sich danach, ihr Familienglück mit Kindern zu vervollständigen. Sowohl verheiratete als auch unverheiratete Paare können einen Kinderwunsch haben. Vielleicht haben Sie auch bereits Kinder mit einer Ex-Partnerin bzw. einem Ex-Partner und sind nun in einer neuen Beziehung und wünschen sich weiteren Nachwuchs oder eine rechtliche Anerkennungder neuen Partnerin bzw. des neuen Partners als Elternteil. Neben leiblichen Kindern können Kinder auch als Stief-, Pflege- oder Adoptivkinder in die Familie kommen. Für all diese Konstellationen stellen sich gerade für gleichgeschlechtliche Paare einige rechtliche Fragen.

Rechte und Pflichten der rechtlichen Eltern

Welche Bedeutung hat die rechtliche Stellung als Elternteil überhaupt? Reicht es nicht, als Familie in einem Haushalt zusammenzuleben und das Kind wie sein eigenes zu lieben? Auf der emotionalen Ebene steht dem familiären Zusammenleben natürlich nichts im Wege, sobald es jedoch um rechtliche Fragen geht, kann die Stellung als Elternteil von großer Bedeutung sein. So haben die rechtlichen Eltern in der Regel das gemeinsame Sorgerecht, das Umgangsrecht mit dem Kind und sie tragen die Unterhaltspflicht für das Kind. Außerdem besteht zwischen Eltern und Kind ein gesetzliches Erbrecht.

Wer ist rechtliche Mutter eines Kindes?

Rechtlich ist die Mutter eines Kindes, wer es geboren hat. Für Frauen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen ergibt sich ein Problem. Selbst wenn eine Ehe zwischen den Frauen besteht, wird die andere Frau nicht automatisch als Co-Mutter in die Geburtsurkunde eingetragen. Somit ist sie kein rechtliches Elternteil des Kindes. Sie kann nur über den Weg der Stiefkindadoption rechtlicher Elternteil werden.

Gut zu wissen:

Seit der Einführung des § 1766a des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ist die Stiefkindadoption nunmehr auch für unverheiratete Paare möglich.

Wer ist rechtlicher Vater eines Kindes?

Rechtlicher Vater wird automatisch der Mann, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet ist. Hierbei kommt es nicht darauf an, ob er auch der biologische Vater des Kindes ist. Ist das Paar nicht verheiratet, muss die Vaterschaft erst anerkannt werden. Ist unklar wer der biologische Vater ist oder bestehen Zweifel, kann die Vaterschaft gerichtlich festgestellt werden. Haben zwei kinderlose Männer als Paar einen Kinderwunsch, können sie diesen nur über die Leihmutterschaft oder Adoption erfüllen.

Ist die Leihmutter nicht verheiratet, kann der biologische Vater des Kindes die Vaterschaft anerkennen und der Partner das Kind im Wege der Stiefkindadoption adoptieren und so rechtlicher Elternteil werden.

Gut zu wissen:

Die Vermittlung einer Leihmutter ist in Deutschland verboten. Der zivilrechtliche Vertrag über Leihmutterschaft ist nicht wirksam und das Paar mit dem Kinderwunsch wird rechtlich nicht geschützt. Viele Paare weichen auf eine Leihmutterschaft im Ausland aus. Hierbei kann es jedoch sowohl in dem jeweiligen Land als auch später in Deutschland rechtliche Probleme geben. Daher sollten Sie sich vorab umfassend informieren und rechtsanwaltlich beraten lassen.

Was ist die Stiefkindadoption?

Bei der Stiefkindadoption geht es typischerweise um folgende Konstellation: Einer der Partner bringt ein Kind mit in die Beziehung oder Ehe bzw. eingetragene Lebenspartnerschaft, der andere Partner adoptiert dieses Kind und wird dadurch rechtlicher Elternteil.

Ohne die Stiefkindadoption ist die Stiefmutter bzw. der Stiefvater nicht rechtliches Elternteil. Somit bestehen auch nicht die elterlichen Rechte und Pflichten, die das Gesetz für rechtliche Elternteile vorsieht. Es kann jedoch das so genannte kleine Sorgerecht nach § 1687b BGBbestehen. Nach dieser Regelung können Stiefeltern zumindest im Alltag Entscheidungen für die Stiefkinder treffen.

Bei der Stiefkindadoption muss der andere rechtliche Elternteil, also der frühere Partner, der Adoption zustimmen. Immerhin wird seine Stellung als rechtlicher Elternteil durch die Adoption aufgehoben. Ist das Kind bereits 14 Jahre alt, ist auch dessen Zustimmung notwendig.

Gut zu wissen:

Kommt es zu Streit mit dem anderen rechtlichen Elternteil und stimmt dieser nicht zu, kann die Zustimmung in Ausnahmefällen durch die Einwilligung des Betreuungsgerichts ersetzt werden. Dazu muss die Adoption für das Kind allerdings einen erheblichen Vorteil haben.

Ist das Paar nicht verheiratet, müssen sie zumindest bereitsseit vier Jahren in häuslicher Gemeinschaft zusammenleben, wenn nicht bereits ein anderes gemeinsames Kind bei ihnen lebt.

Nach der erfolgreichen Stiefkindadoption sindbeide Partner der neuen Beziehung rechtliche Elternteile des Kindes. Es bestehen alle gesetzlichen Rechte und Pflichten, die für die Eltern-Kind-Beziehung vorgesehen sind.

Adoptivkinder

Möchte das Paar ein nicht leibliches Kind in die Familie aufnehmen, können sie ein „fremdes“ Kind adoptieren. Dieser Weg steht verheiraten Paaren und Einzelpersonen offen. Unverheiratete Paare müssten hier nach der Einzeladoption erneut den Weg der Stiefkindadoption beschreiten.

Nach der Adoption wird das Kind voll in die Familie integriert. Die Eltern haben alle Rechte und Pflichten, die das Gesetz für rechtliche Elternteile vorsieht. Gleichzeitig erlischt die rechtliche Verwandtschaft des adoptierten Kindes zu den leiblichen Eltern und den Verwandten seiner Herkunftsfamilie.

Auch nach der Trennung und Scheidung bzw. Aufhebung der Lebenspartnerschaft sind Adoptivkinder wie leibliche Kinder zu behandeln. Das Paar hat in der Regel weiterhin das gemeinsame Sorgerechtfür das Kind. Betreut nur ein Elternteil das Kind, hat der nicht betreuende Elternteil ein gesetzliches Umgangsrecht. Auch das Unterhaltsrecht bleibt bestehen.

Gut zu wissen:

Erwägen Sie eine Auslandsadoption, sollten Sie sich vorab genau über die Auswirkungen auf das Kind und seine besonderen Bedürfnisse als internationales Adoptivkind informieren. Lassen Sie sich auch über die rechtlichen Anforderungen und den Ablauf beraten. Für gleichgeschlechtliche Paare kommt es zudem auf die speziellen Regelungen des Staates an, aus dem Sie adoptieren möchten. Einige Staaten verwehren gleichgeschlechtlichen Paaren den Zugang zur Adoption.

Pflegekinder

Es besteht auch die Möglichkeit, ein Kind vorübergehend über eine Pflegschaft in die Familie aufzunehmen. Hierbei wird das Kind rechtlich nicht wie bei einer Adoption voll integriert. Oft können sich die rechtlichen Eltern aus persönlichen Gründen nicht angemessen um Ihr Kind kümmern. Bei einer Pflegschaft bleiben die rechtlichen Eltern bestehen, es ruht nur das Sorge- und Umgangsrecht, solange sie sich nicht angemessen um das Kind kümmern können. Die Pflegeeltern haben die elterliche Sorge in Alltagsangelegenheiten, während die gesetzliche Vertretung bei einem bestellten Vormund oder dem zuständigen Jugendamt liegt.

Das Ziel der Pflegschaft ist normalerweise die Rückkehr des Kindes in seine Familie. In einigen Fällen sind die Eltern jedoch endgültig nicht dazu in der Lage, sich angemessen um das Kind zu kümmern. Wenn die übrigen gesetzlichen Voraussetzungen zur Adoption vorliegen, können die Pflegeeltern das Kind adoptieren. Adoptierte Pflegekinder sind dann genauso in die Familie integriert wie alle anderen Adoptivkinder und somit rechtlich leiblichen Kindern gleichgestellt.

Fazit

Das Gesetz berücksichtigt einige Konstellationen von Regenbogenfamilien nicht oder nicht ausreichend, sodass gleichgeschlechtliche Paare weiterhinbesonderen Herausforderungen gegenüberstehen. Oftmals müssen sie umständliche Wege gehen, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen und auch rechtlich als Familie vollständig abgesichert zu sein. Informieren Sie sich über die genauen Möglichkeiten in Ihrer persönlichen Situation.

Autor:  iurFRIEND®-Redaktion

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